SCS Denkanstoss vom 4.10.2016 mit Prof. Dr. Joachim Bauer

Kooperation versus Aggression – Grundmotivationen des Menschen aus neurowissenschaftlicher Sicht

„Der Aggressionstrieb ist tot,“ sagte Prof. Dr. Joachim Bauer zu den ca. 200 anwesenden Gästen. Er erklärte, dass die modernen Neurowissenschaften Freuds Theorie mittlerweile klar widerlegt haben. Aggression sei aus neurobiologischer Sicht ein reaktives Verhalten, das u.a. durch Verletzung, Ablehnung, Bedrohung, oder durch Ausschluss aus einem sozialen Gefüge entsteht. Im Umkehrschluss betonte er die Wichtigkeit von Wertschätzung, Anerkennung und Einbezug, die sich hirnphysiologisch positiv auswirken: Es werden Hirnregionen aktiviert, welche die angeborene Fähigkeit zu Kooperation, Begeisterung und Kreativität fördern.

Zur vertieften Auseinandersetzung mit diesem Thema stehen folgende Bücher von Prof. Bauer zur Verfügung:

  • Das Gedächtnis des Körpers – Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern (Piper TB)
  • Warum ich fühle was du fühlst – Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone (Heyne TB)
  • Selbststeuerung – Wiederentdeckung des freien Willens (Heyne Taschenbuch)

 

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Kommentare (1)

  1. Was für „tot“ erklärt wird, kommt meist früher oder später wieder hervor, und ist dann erschreckender und fataler, weil unvorbereitet und unvorhergesehen, als wenn man mit ihm immer gerechnet hätte. Sowohl die Weltgeschichte als auch individuelle Erfahrungen machen es unplausibel, dass es keinen „Agressionstrieb“ geben soll. Ist „Machtstreben“ auch nur reaktiv? Funktioniert es ganz ohne aktive Aggression? Wohl eher nicht. Dann muss es logischerweise auch eine aktive Aggression geben, und es ist reine Semantik, ob man dies nun Trieb, Anlage oder Bereitschaft nennt. Heute würde es wohl nicht mehr Trieb genannt, und auch hydraulische Vorstellungen entsprechen nicht mehr der heutigen (technologie begründeten) Metaphorik (und eine solche war es immer). Für dieses aktive, nicht rein re-aktive Element müsste heute eine andere Metapher gefunden werden. Die sogenannten neurobiologischen Befunde, die Prof. Bauer als Argument für seine Aussage benützt, haben mich zudem nicht überzeugt. Ein Denkanstoss war es aber schon, und zusammen mit dem hervorragenden selbstgebrauten Bier und den Köstlichkeiten war der Abend auch befriedigend.

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