Per 1.Juli 2018 hat die SCS ein neues Departement im Bereich Blockchain und Internet-Of-Things aus der Taufe gehoben. Alain Brenzikofer leitet die neu entstandene Gruppe als neuer Department Head. Wir gratulieren Alain Brenzikofer herzlich zur neuen Rolle und wünschen ihm viel Erfolg.

Distributed Ledger Technologien, Blockchain, Kryptowährungen, IoT: Die Begriffe sind in aller Munde und werden in verschiedenen Branchen zukunftsweisend sein. Alain Brenzikofer befasst sich seit Jahren mit diesen Technologien und ist ein profunder Kenner der Szene. Gerade im Energiebereich, aber auch im Rohstoffhandel, bei Herkunftsnachweisen oder in der Industrie ergeben sich heute interessante Anwendungen, welche sich bei SCS bereits in Entwicklung befinden: So ist SCS u.a. Partner im Projekt „Quartierstrom“ am Walensee, wo ein Blockchain-basierter Peer-to-Peer Energiemarkt entsteht.

 

 

In einem liberalisierten Markt können Kundinnen und Kunden ihren Energielieferanten frei wählen und wechseln. Deshalb müssen die Lieferantenwechsel zwischen den Verteilnetzbetreibern und den Energielieferanten koordiniert abgewickelt werden können. Die dazu nötigen Informationen müssen kostengünstig, automatisiert und sicher durch einen Datahub verarbeitet werden.

Die Entwicklung eines Datahubs für die Swisseldex AG (www.swisseldex.ch) hat die Firma Supercomputing Systems AG bei einer öffentlichen Ausschreibung gewonnen.

Der Datahub steht allen Marktakteuren diskriminierungsfrei zur Verfügung und basiert auf der Branchenempfehlung des Verbandes der schweizerischen Elektrizitätsunternehmen (VSE).

Die Swisseldex AG wurde von den fünf Schweizer Verteilnetzbetreibern AEW Energie AG, BKW Energie AG, Centralschweizerische Kraftwerke AG, ewz und St.Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG am 21. März 2018 gegründet. Sie decken zusammen ein Viertel der Messpunkte des schweizerischen Stromnetzes ab. Die Swisseldex AG steht weiteren Verteilnetzbetreibern offen.

 

 

Alain Brenzikofer ist Projektleiter beim Schweizer IT-Enwicklungsdienstleister SCS. Schon seit 2011 verfolgt er die Entwicklungen in der Blockchain-Technologie. Diese setzt er auch für SCS ein, entwickelte etwa «Decentralized Applications» und verfasste ein Whitepaper zum Thema «Decentralized Trusted Timestamping». Brenzikofer verfügt über ein Studium in Informationstechnologie und Elektrotechnik der ETH Zürich.

Der folgende Artikel erschien am 26.1.2018 bei influence.ch:

Alain Brenzikofer ist Projektleiter beim Schweizer IT-Enwicklungsdienstleister SCS. Schon seit 2011 verfolgt er die Entwicklungen in der Blockchain-Technologie. Diese setzt er auch für SCS ein, entwickelte etwa «Decentralized Applications» und verfasste ein Whitepaper zum Thema «Decentralized Trusted Timestamping». Brenzikofer verfügt über ein Studium in Informationstechnologie und Elektrotechnik der ETH Zürich.

Mit dem Bitcoin-Hype rückte auch der Energieverbrauch dieser Krypto-Währung in den Fokus. Können Sie uns erklären, warum bei höherem Bitcoin-Kurs weltweit auch mehr Energie verbraucht wird?
Alain Brenzikofer: Bitcoins entstehen nicht einfach so, sie werden geschürft. Das Wort ist bewusst aus der Bergbau-Sprache entlehnt. Wer nämlich Bitcoins finden will, muss beweisen, dass er dafür Energie einsetzt. Dazu muss er mit Hilfe von speziellen Computern kryptografische sehr komplizierte Rätsel lösen. Weltweit schürfen alle gleichzeitig. Je mehr Rechner beteiligt sind, desto komplizierter gestaltet der Bitcoin-Algorithmus die Rätsel und desto mehr Rechenpower muss aufgewendet werden.

Wie muss man sich das vorstellen?
Der Algorithmus sorgt dafür, dass weltweit etwa alle 10 Minuten ein Miner das Rätsel lösen kann. Am Anfang lag der Mining-Reward, also der Wert, den man für eine gelöste Aufgabe erhält, bei 50 Bitcoins. Dann waren es nur noch 25. Dieser Reward wird über die Zeit immer kleiner. Heute liegt er bei 12.5.

Dann steigt also der Energieverbrauch, um an Bitcoins zu kommen, je länger, je mehr?
Nur bei steigender Nachfrage. Je mehr Miner bei diesem Spiel mitmachen, desto höher ist der Energieverbrauch.

Warum?
Im ganzen Netzwerk wird nach Bitcoins geschürft, bis es sich finanziell nicht mehr lohnt. Die Rechnung des Miners ist einfach: Er setzt Hardware ein und muss Strom kaufen. Je höher der Wechselkurs des Bitcoins steigt, desto höher darf die Stromrechnung sein um profitabel zu bleiben.

Kurs und Stromverbrauch sind gekoppelt?

Ja und zwar in zweierlei Hinsicht: Einerseits, weil der Gegenwert des Mining Rewards steigt. Andererseits werden mit der Anzahl der Teilnehmer im Bitcoin-Netzwerk auch die Transaktionsgebühren höher, die dem Miner zu Gute kommen.

Je mehr Leute sich am Bitcoin-Hype beteiligen, desto grösser werden somit die Entschädigungen für die Miner?
Es ist ein Wettbewerb, in dem derjenige gewinnt, der den billigsten Strom hat und die effizienteste Hardware. Die Computer, die man zum Bitcoin-Schürfen benötigt, werden heute speziell dazu hergestellt. Diese Hardware muss man in regelmässigen Zyklen ersetzen, weil immer effizientere Geräte herauskommen. Das heisst, sie können die kryptographischen Aufgaben mit immer weniger Strom lösen. Der Miner muss darum seine Hardware innerhalb von 12 bis maximal 24 Monaten amortisieren und neue kaufen. Sonst wird er abgehängt. Der Profit des Miners ist das, was nach Stromkosten und Abschreibungen übrigbleibt. Wenn also der Wechselkurs des Bitcoins nach oben schiesst, wird es viel lukrativer, Hardware zu kaufen. Die Herstellung dieser neuen Hardware ist ebenfalls Energie- und Ressourcenintensiv.

Kurz vor dem Kurssturz war der Gesamtverbrauch des ganzen Bitcoin-Netzwerks so gross wie derjenige von ganz Neuseeland. Ende 2017 etwa so gross wie ganz Island oder Dänemark. Glauben sie diesen Zahlen?

Alle diese Zahlen sind Schätzungen. Man hat keine verlässlichen Statistiken. Die Miner legen ihren Stromverbrauch nicht offen. Man weiss aber, wie hoch die Strompreise in den verschiedenen Ländern der Welt sind. Man weiss ungefähr, welche Hardware im Einsatz ist. Und darum sind die Zahlen aus meiner Sicht plausibel. Viel wichtiger als präzise Zahlen sind aber der Trend und die Grössenordnung: Sollte der Bitcoin wieder massiv an Wert zulegen, dann ist der Energieverbrauch nach oben offen. Dieser könnte ungebremst steigen.

Der Energieverbrauch wird also nicht sinken, weil Mining Hardware effizienter wird?
Das ist zugleich das Geniale und das Problematische an diesem Algorithmus, der das Bitcoin-Netzwerk steuert. Darin ist verankert, dass die Anforderungen an die Miner steigen, je grösser das Netzwerk wird. Wenn die ganze Welt effizientere Hardware kauft, ist damit im Sinne des Energieverbrauchs gar nichts gewonnen.

Der Algorithmus steuert dagegen, wenn die Rechner die Rätsel schneller und energieeffizienter lösen können. Beschützt er sozusagen den Wert des geschürften Bitcoins?
Er beschützt die Geldmengensteuerung und das kontrollierte Wachstum der Blockchain. Das Geniale daran ist, dass der Algorithmus nicht im Voraus wissen muss, wann in der Zukunft wieviel Rechenpower vorhanden ist. Das Bitcoin-Netzwerk funktioniert, egal wie effizient die Miner-Hardware ist. Auf der anderen Seite verursacht das einen enormen Energieverbrauch.

Der Algorithmus beim Bitcoin ist somit für alle Ewigkeit so angelegt, dass er den hohen Verbrauch von Energie honoriert?
Falls der Wechselkurs der Bitcoins gleich bleiben würde und gleichzeitig auch die Zahl der Transaktionen konstant, dann würde mit der Zeit der Energieverbrauch sinken. Wenn aber immer mehr Leute Transaktionen auf der Bitcoin-Blockchain machen, dann wird tatsächlich immer mehr Energie verbraucht.

Ganz eifrige Verfechter des Bitcoins sagen zum Energieverbrauch, dass der Bitcoin-Hype die Verwendung von erneuerbaren Energien fördere. Sehen Sie das auch so?
Diese Argumentation halte ich für verfehlt. Wind- und Sonnenenergie sind keine Bandlast-Generatoren. Vielmehr schwankt deren Produktion sehr stark. Wenn ein Miner seine Hardware innerhalb einer Jahresfrist amortisieren will, muss er sie an sieben Tagen 24 Stunden laufen lassen. Dazu nimmt er den billigsten verfügbaren Strom. Wenn er am Tag Solarstrom erhält, nimmt er den. In der Nacht wird es aber keinen solchen geben, die Hardware muss aber trotzdem laufen. Und weltweit ist der Kohlestrom immer noch am billigsten.

Kann man identifizieren, wo weltweit am meisten dieser Bitcoin-Miner stehen? Und wo diejenigen stehen, mit der grössten Leistung?

Die Mehrheit der Bitcoin-Leistung steht heute in China. Es sind mehr als 50 Prozent aller Rechenleistung weltweit. Eigentlich widerspricht das der dezentralen Ideologie von Bitcoins. Und dann noch in einem Land, das nicht sehr freiheitlich mit den Möglichkeiten des Internets umgeht – das ist bedenklich. Das unterläuft die Daseinsberechtigung der Blockchain.

Sie beschäftigen sich seit 2011 mit Fragen rund um Krypto-Währungen. Ist der Energieverbrauch bei allen ein solches Problem?
Nur bei «Proof-of-Work» Währungen. Bereits 2012 wurde z.B. Peercoin gestartet, eine sogenannte «Proof-of-Stake» Währung. Anders als beim Bitcoin muss ich da nicht beweisen, dass ich Arbeit geleistet habe. Bei Peercoin dürfen diejenigen, die am meisten dieser Coins halten, auch am meisten schürfen. Die Idee dahinter: Wer viel Kapital besitzt, hat ein immenses Interesse daran, dass das Vertrauen in das Netzwerk erhalten bleibt. Denn wenn ein Grosser beim Minen gegen die Regeln verstösst, geht Vertrauen verloren. Und damit würde auch sein Kapital wertlos. Heute gibt es weitere Lösungen, die ohne «Proof-of-Work» auskommen. Ohne Mining brauchen diese Währungen kaum mehr Energie als das heutige E-Banking.

Es kommen immer mehr Krypto-Währungen auf den Markt: Steigt der Energieverbrauch somit auch immer mehr an?
Es kommt nicht darauf an, wieviele neue Krypto-Währungen es gibt. Sondern es kommt darauf an, wie gross die Marktkapitalisierung derjenigen Krypto-Währungen ist, die den Einsatz von Energie honorieren. Je höher diese ist, desto höher ist der Anreiz Mining mit ungeheurem Energieaufwand zu betreiben. Bei den anderen Währungen, die nach einer anderen Logik funktionieren, ist der Energieverbrauch kein Thema.

Mit dem Bitcoin wird Blockchain als neue dezentrale Sicherheitstechnologie plötzlich heiss diskutiert. Wie muss ich mir die Organisation einer solchen Blockchain vorstellen?
Beim heutigen E-Banking geschehen alle Transaktionen in einem Data-Center unter der Kontrolle der Bank. Bei der Blockchain erfüllen Tausende von Computern, die auch in einzelnen Haushalten stehen können, diese Arbeit. Wenn Informationen gleichzeitig auf mehreren Rechnern dezentral abgesichert werden, so steigt die Sicherheit im ganzen System.

Braucht es dafür mehr Energie als wenn man heute E-Banking nutzt?
Grundsätzlich wird eine zentrale Systemlösung meist energieeffizienter sein, als eine dezentrale. Die Blockchain hat jedoch den Vorteil, dass sie Konsens in einem verteilten System ohne zentrale Einflussnahme herstellen kann – und das ist ein wichtiges sicherheitstechnisches Argument. Wo dieser Vorteil wichtig ist, wird er wohl andere Argumente wie den Energieverbrauch überstimmen.

Nicht nur die Blockchain benötigt dezentrale Computerinfrastruktur, wir lagern auch immer mehr in die Cloud aus. Wird auch das den Energieverbrauch ankurbeln?
Es gibt Studien zum Thema, ob Cloudcomputing energieeffizienter ist oder nicht. Diese kommen zum Schluss, dass Cloudcomputing effizienter sei, was die Energie angeht. Dies, weil die Hardware besser ausgelastet werde. In einem Datacenter läuft nur exakt so viel Hardware, wie wirklich benötigt wird. Bei wenig Nachfrage werden ganze Serversektoren abgeschaltet. Und nur bei Bedarf wieder zugeschaltet. Darum erscheint es durchaus plausibel, dass Cloudcomputing effizienter sein kann. Cloudcomputing nimmt aber oft mehr Netzwerkinfrastruktur in Anspruch, ein Argument für steigenden Stromverbrauch. Die Wahl der Systemgrenzen dürfte – wie so oft – entscheidend sein.

Gespräch: Matthias Halbeis

Blockchain Technologie wurde durch die Einführung der Kryptowährung Bitcoin in 2009 begründet. Seither wurden viele weitere interessante und teilweise revolutionäre Anwendungen jenseits der Crypto-Währung identifiziert und implementiert.

Am SwissICT Symposium am 13./14.November 2017 im KKL Luzern (https://www.swissict-symposium.ch/de/) wird Alain Brenzikofer in Blockchain-Technologie einführen, ausgesuchte Beispiele vorstellen und industrielle Anwendungen aufzeigen. Als Fallbeispiel wird eine von SCS entwickelte Blockchain-Applikation für den Vertrieb von Sensordaten per Prepay Abrechnung vorgestellt und live demonstriert.

 

Nach einem sehr erfolgreichen Forschungs- und Demonstrationsprojekt wird die GridBox Technologie im Rahmen eines Projekt-Spinoffs kommerzialisiert. Die smart grid solutions AG (Webseite) mit Martin von Euw als Geschäftsführer wird die Technologie zur Marktreife bringen. Supercomputing Systems AG ist Technologiepartner der neuen Firma.

Lesen Sie dazu die Pressemitteilung:

Zürich, 27. September 2016

Gründung der smart grid solutions AG:
SpinOff des grössten Smart Grid Demonstrationsprojekts der Schweiz

Die Projektpartner von GridBox, dem grössten Smart Grid Demonstrationsprojekt der
Schweiz, haben die smart grid solutions AG gegründet. Ziel des Unternehmens ist es die
innovative Netzmanagementlösung zu industrialisieren und weiterzuentwickeln. Mit der
neuen Plattform smartbox wird die zukunftsweisende GridBox Technologie und die
gesammelten Erkenntnisse aus dem erfolgreichen einjährigen Testbetrieb in einer Lösung
vereint.

Damit stellt die smart grid solutions AG den Verteilnetzbetreibern eine intelligente und skalierbare
Lösung zur Verfügung, welche sowohl heutige als auch zukünftige Herausforderungen meistert.
Anton Gunzinger, Unternehmer und VR der smart grid solutions AG, erläutert den Nutzen eines
Echtzeit Managementsystems folgendermassen: „Mit der Zunahme von dezentralen Erzeugern,
Batteriespeicherlösungen und E-Mobilität kommen neue Herausforderungen auf die Netzbetreiber
zu oder sind bereits Realität. Die smartbox hilft diese Aufgaben zu meistern und dient hierbei nicht
nur einem einzelnen Ziel, sondern unterstützt als Plattform eine ganze Reihe von Aufgaben,
Dienstleitungen und Business-Modelle der Netzbetreiber.“

Die smartbox Technologie ist die umfassende Plattform für das moderne Verteilnetz-Management.
Als koordinierte und verteilte Lösung gewährleistet sie den sicheren und gleichzeitig
wirtschaftlichen Netzbetrieb. Dabei deckt die smartbox eine Vielzahl von Bedürfnissen ab.
Anwendungen wie Fehlererkennung und -lokalisierung, erweitertes Netzmonitoring, Unterstützung
des Asset Management, Prosumer-Applikationen sowie Marktfunktionen mit Echtzeit-
Charakteristik werden in ein und derselben Plattform vereint.

Mit diesem generischen Ansatz stellt die smart grid solutions AG eine flexible und skalierbare
Mess-, Kommunikations- und
Regelplattform zur Verfügung, welche eine schnelle Umsetzung
neuer Business-Modelle ermöglicht und somit bereits heute Antwort auf die zukünftigen
Herausforderungen gibt.
Für weitere Informationen:
Martin von Euw
Geschäftsführer smart grid solutions AG
Phone +41 43 543 64 32
Mobil +41 79 230 88 58
martin.voneuw@smartgridsolutions.ch

Pressemitteilung (PDF) vom 27.9.2016

Alpiq GridSense

Alpiq InTec zählt bei der Entwicklung des GridSense Systems auf starke Partner. Die zentrale Backend-Software, welche das Management der verteilten GridSense Einheiten ermöglicht und webbasierte Portale zur Verfügung stellt, wird künftig von Supercomputing Systems AG weiter entwickelt.

GridSense ist eine Energiemanagement-Lösung für das Gebäude. Das System erkennt und lernt das Verhalten der Nutzer über die Zeit und prognostiziert dieses mittels adaptiven Algorithmen. Das System gleicht die Lasten im Gebäude aus und erlaubt die effiziente Einbindung erneuerbarer Energiequellen. Dabei werden auch Wetterprognosen berücksichtigt. Die Belastung des Verteilnetzes wird dadurch ausgeglichen und ein erhöhter Zubau von erneuerbaren Energien ohne kostspieligen Netzausbau ermöglicht. Das System optimiert die Gesamt-Wirtschaftlichkeit und nutzt Energie effizient.

Weitere Informationen zur GridSense: GridSense Webseite

 

Gemeinsam mit den Partnern BKW, ewz und Bacher Energie AG, sowie mitfinanziert vom Bundesamt für Energie hat die Firma SCS AG das Projekt „GridBox – Echtzeit-Management-Plattform für das Verteilnetz“ erfolgreich durchgeführt und per Ende März 2016 die geplanten Mess- und Demonstrationskampagnen beendet. Das Projekt umfasst die praktische Umsetzung und Erprobung des Konzeptes „GridBox“ und beinhaltet die Entwicklung von 150 Mess-/Steuerboxen, die Entwicklung einer potenten zentralen Software-Infrastruktur, das Ausrollen der Technologie in zwei Verteilnetzen im Berner Oberland sowie in der Stadt Zürich sowie einen einjährigen Betrieb mit begleitenden Forschungskampagnen.

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Die Hauptergebnisse des Projektes sind:

  • Die Demonstration der Machbarkeit einer Echtzeit-Management-Plattform für die Nieder- und Mittelspannungsebene
  • Die Entwicklung und Demonstration einer Zustandsschätzung (State Estimation) für Ströme und Spannungen in den Verteilnetzen
  • Die Demonstration einer Topologie-Erkennung in den Verteilnetzen basierend auf den reinen Messwerten
  • Das Aufzeigen der Möglichkeiten einer Echtzeit-Optimierung des Verteilnetzzustands unter Beeinflussung von Flexiblitäten:
    • In den Häusern mit GridBox: Schalten von Boilern und Wärmepumen sowie Steuerung der Solarinverter (P und Q)
    • Im Verteilnetz von ewz: Regelung einer netzgestützten Batterie (500kWh)
  • Die detaillierte Aufzeichnung der Messwerte (inkl. PMU-Phasoren) für knapp 150 verteilte Messpunkte über ein Jahr im 1Hz-Takt
  • Die Evaluation des Nutzens von PMU-Informationen auf Verteilnetzebene

Box_open_Rogos_fadedBild 1: Die GridBox Hardware, welche für das Projekt von Grund auf entwickelt wurde. Sie ermöglicht Strom- und Spannungsmessung, enthält ein GPS für PMU-Messwerterfassung, erlaubt die Kommunikation im Sekundentakt und verfügt über Schnittstellen für die Steuerung von Verbrauchern und Einspeisern im Haus.

 

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Bild 2 : Das GridBox Cockpit visualisiert das System im Live-Betrieb und erlaubt den Zugriff auf aktuelle und archivierte Messwerte. Ebenso lässt sich die vom State Estimator errechnete Gesamtsystemsicht darstellen.

Das Kernteam bei SCS umfasste 7 Personen, im Gesamtprojekt mit allen Partnern waren mehr als 35 Personen involviert: Entwickler, Datenanalysten, Installateure, IT-Personal, Projektleiter/Management. Ihnen gebührt unser herzlichster Dank für den Einsatz über die vergangenen knapp drei Jahre.

Die Projektergebnisse sind erfolgsversprechend und es wird eine Kommerzialisierung von Teilen der Technologie angestrebt.

BFE Schlussbericht GridBox:
BFE Schlussbericht PDF

Pressemitteilung vom 20.5.2016:
Pressemitteilung_20160520

Veröffentlichung bei Springer: Computer Science
Springer

In Zusammenarbeit mit den Partnern BKW, ewz und BEAG entwickelt SCS AG die Smart Grid Plattform GridBox, welche die elektrischen Verteilnetze für die Zukunft fit machen wird:

Die elektrische Energieversorgung ist in einem starken Wandel begriffen. Einerseits gibt es Bestrebungen, die bisher auf zentralen grossen Kraftwerken basierende Energieversorgung zu dezentralisieren, wobei viele kleine Erzeuger wie Photovoltaikanlagen, Kleinwasserkraft, Windkraftwerke und Wärmekraftkopplungsanlagen eingebunden werden. Andererseits sind die regulatorischen Anforderungen im Wandel und für die Energiemärkte werden neue Spielregeln definiert. Diese Veränderungen haben einen Einfluss auf die elektrischen Netze, welche künftig dynamischer, kostengünstiger und intelligenter werden müssen.

Die GridBox Plattform ist ein generischer Ansatz für ein intelligentes Stromnetz: Verteilte Mess- und Steuergeräte (Phasor Measurement Units) erfassen im Sekundentakt hochpräzise den Netzzustand und kommunizieren diesen an einen regionalen GridBox Master. Auf dem Master werden Algorithmen gerechnet, welche geeignete automatisierte Eingriffe in den Netzbetrieb erlauben. Es werden PV-Anlagen, Batterien, elektrische Boiler, Elektromobil-Ladestationen und weitere Akteure im Netz intelligent und in Echtzeit gesteuert.

Die GridBox Plattform bietet zudem Funktionalitäten wie Netzmonitoring, Power Quality Bestimmung, virtuelle Kraftwerke, Unterstützung bei der Netzauslegung, Koordination von PV und Batterie in den Haushalten, bis hin zu Smart Markets mit Echtzeit-Preisinformationen. Als generische Smart Grid Plattform werden somit Funktionalitäten und Business Cases zur reinen Software-Angelegenheit (Apps).

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Das Projekt umfasst zwei Testregionen: Im Kiental im Berner Oberland wird ein ländliches N7/N5 Netz ausgerüstet, in der Stadt Zürich ein typisch urbanes Quartier. Insgesamt werden 150 Geräte installiert und hochaufgelöste Messdaten über ein volles Jahr hinweg aufgezeichnet. Die Demonstrationen der Funktionalitäten erfolgen im Alltagsbetrieb.

Das System wird live visualisiert, die Zustände aller Elemente sowie die Arbeit des State Estimators sowie des Optimierers können in Echzeit verfolgt werden:

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Das Projekt wird vom Bundesamt für Energie mitunterstützt und läuft bis Mitte 2016.

Aktuelle Präsentation zum Projekt GridBox: PDF

Zuständige Ansprechperson: Stephan Moser

SCS hat ein offenes Modell zur Simulation von Energieversorgungsszenarien für die Schweiz entwickelt. Das Modell erlaubt die Berechnung der Energie- und Leistungsbilanzen, welche von einer Vielzahl von Faktoren abhängig sind: dem gewählten Kraftwerkpark, dem Ausbaugrad volatiler Energiequellen (unter Berücksichtigung von Standort- und Wetterdaten), dem Ausbaugrad und Einsatz von zentralen und dezentralen Speichern, der Speicherstrategie etc..

Das Modell, welches den direkten Vergleich verschiedenster Szenarien ermöglicht, wurde bereits an diversen öffentlichen Anlässen vorgestellt. In einer kurzen Präsentation werden unterschiedliche Szenarien aufgezeigt und auf ihre technische Plausibilität hin untersucht. Daraus lassen sich relevante Erkenntnisse zur zukünftigen Energieversorgung der Schweiz ableiten, welche zur Diskussion anregen.

Das Modell wird laufend erweitert und in absehbarer Zeit der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Es soll eine möglichst transparente und „ent-emotionalisierte“ Energiediskussion ermöglichen.