Kryptowährungen werden heute mehrheitlich auf zentralisierten Exchanges gehandelt, welche sehr grosse Gebotsvolumina sehr schnell zu niedrigen Kosten abwickeln können. Der Händler riskiert aber im Fall eines Hackerangriffs oder Betrugs des Betreibers den Totalverlust seiner hinterlegten Token.

Alternativ dazu werden dezentralisierte Exchanges immer beliebter. Diese bestehen aus Smart Contracts, welche auf unterschiedlichen Blockchains verfügbar sind. Der Händler behält so immer die Hoheit über seine Token. Leider kommt die Dezentralisierung aber zu einem schmerzhaften Preis: Die Gebühren steigen mit wachsender Nachfrage rasant und die Abwicklung dauert mindestens einige Sekunden.

PolkaDEX verbindet das Beste beider Welten: Schnelle Handelsabwicklung dank Einsatz einer off-chain Matching Engine kombiniert mit trusted execution zur Verwaltung der Guthaben. So wird sichergestellt, dass der Betreiber des Exchanges (oder ein Hacker) zu keinem Zeitpunkt über die Guthaben verfügen kann ohne passendes Gebot vom Eigentümer.

PolkaDEX und SCS arbeiten gemeinsam an dieser Lösung unter Verwendung von SubstraTEE, dem von SCS entwickelten open source Framework, um öffentlich auditierbare Lösungen mit trusted execution zu entwickeln.

Blockchain Lock Kachel

Die COVID19 Pandemie hat uns alle im Griff. Als Technologieunternehmen überlegen wir uns natürlich auch, was wir vom Home-Office aus zur Linderung dieser Krise beitragen können.

Verschiedentlich wurden Rufe nach Contact Tracing laut und gewisse Länder haben dies auch bereits grossflächig eingeführt. Dabei handelt es sich um eine Aufzeichnung des Bewegungsprofils aller Bürger mit dem Ziel, Individuen über potentielle Ansteckungen zu informieren. Wenn eine Person positiv auf das COVID19 Virus getestet wird, kann durch Abgleich von Bewegungsprofilen festgestellt werden, wer alles kürzlich im Kontakt mit dieser infizierten Person stand. So können sich potentiell infizierte in Selbstquarantäne begeben. Eine weitere Anwendung ist die Quantifizierung der Quarantäne- und Social-Distancing-Disziplin der Bevölkerung. Auch in der Schweiz wurden bereits  Bewegungsprofile durch die Mobilfunkbetreiber erhoben und in aggregierter Form vom BAG ausgewertet.

Eine solch weitgehende Überwachung der Bevölkerung würde in der normalen Lage wohl einen Aufschrei auslösen. Die Frage, die wir uns IngenieurInnen stellen sollten ist, ob es eine Lösung gibt, wie wir den gewünschten Nutzen erzeugen können, ohne die Privatsphäre der Bevölkerung zu opfern.

Eine solche Lösung gibt es! Wir haben in einem früheren Beitrag bereits über e-ticketing Lösungen mit Datenschutz dank Trusted Execution Environments (TEE) berichtet. Dasselbe Konzept möchten wir gerne für Contact Tracing einsetzen. Auf freiwilliger Basis würde die Bevölkerung eine Smartphone-App installieren, welche Bewegungsdaten sammelt und andere Geräte im unmittelbaren Umfeld registriert. Diese Daten könnten dann in einem TEE abgeglichen werden, wobei alle Daten strikte nur vom Benutzer und vom TEE gelesen werden können. Der Betreiber des TEE kann die Daten nicht entschlüsseln. Auch das Informieren von potentiell Infizierten geschieht vertraulich. Unsere Lösung für dezentralisierten Betrieb von TEE’s, SubstraTEE, stellt durch Blockchain Technologie sicher, dass nur echte TEE Geräte mit der richtigen Version der open-source software betrieben werden.

Auch wenn unsere Lösung heute noch nicht bereitsteht: Contact Tracing wird insbesondere dann wichtig, wenn die erste Welle vorüber ist und die Massnahmen gelockert werden.

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    Im Projekt Quartierstrom, das vom Bundesamt für Energie als Leuchtturmprojekt gefördert wurde, haben Partner aus Forschung und Industrie einen blockchainbasierten Strommarkt entwickelt und in Walenstadt implementiert. Der einjährige Feldversuch ist im Januar 2020 erfolgreich abgeschlossen worden.

    Der Schlussbericht des Projektes wurde nun vom BfE veröffentlicht.

    SCS hat sich im Rahmen dieses Projektes in drei Kernthemen engagiert:

    Datenschutz

    Im Quartierstrom-Projekt wird der Stromverbrauch jedes einzelnen Haushalts im Viertelstundentakt erhoben. So kann das System den aktuell verbrauchten Strom via Blockchain auf dem dezentralen Markt einkaufen.

    Die Werte zum Stromverbrauch sind aber schützenswerte Personendaten. Solch ein Lastgang lässt gewisse Rückschlüsse auf einen Haushalt und dessen Bewohner zu. Eine Ferienabwesenheit, der Tagesrhythmus und auch Gewohnheiten sind leicht zu erkennen: Wie oft kochen Sie? Benutzen Sie heute nur die Mikrowelle? Wie lange schlafen Sie? Wenn in der Garage ein Elektromobil steht, verrät der Lastgang nicht nur, wann jemand nach Hause kommt, sondern auch wie weit die Person an diesem Tag etwa gefahren ist.

    In der herkömmlichen Stromversorgung kann der Elektrizitätsversorger diese Daten einsehen. Anders in der Blockchain. Denn ein Grundpfeiler dieser Technologie ist, dass alle Transaktionen von allen Teilnehmern validiert werden können. Die Teilnehmenden erscheinen zwar nicht mit Namen und Adresse auf der Blockchain, sondern mit einer Nummer. Dieser sogenannte «Public Key» kann nur indirekt mit dem tatsächlichen Verbraucher in Verbindung gesetzt werden, bietet aber nur einen geringen Schutz.

    SCS hat Konzepte erarbeitet und ein Paper publiziert, wie diese privaten Daten mit modernsten kryptografischen Methoden geschützt werden können. Diese erlauben es, dass die Verbrauchswerte und Gebote zwar transparent sind, die Identität und das Verhaltensprofil der Bietenden aber verdeckt bleiben.

    Ausserhalb von Quartierstrom hat SCS an diesem Thema weitergearbeitet: Siehe Ein TEE für Polkadot und SCS gewinnt Auszeichnung der Energy Web Foundation Innovation Challenge

    Dynamischer, Spannungsabhängiger Netztarif

    Speisen mehrere Solarstromanlagen gleichzeitig Strom ins Netz, können im Verteilnetz unerwünschte Lastspitzen entstehen. Findet zudem ein P2P Handel mit Energie ohne Berücksichtigung des Netzzustandes statt, kann dies die Netzstabilität zusätzlich gefährden. Um die intelligente Einbindung von Regelkapazitäten sowie Stromspeicher attraktiver zu machen, hat Supercomputing Systems eine Lösung entwickelt, mit der die Netzentgelte dynamisch gestaltet werden könnten. SCS hat diese Lösung mit einem Paper an der CIRED 2019 vorgestellt.

    Liegt die Spannung über dem definierten Band, ist ein lokales Überangebot an Energie vorhanden und das Netzentgelt könnte kurzzeitig stark gesenkt werden, um die Einspeisung in Batterien und die Zuschaltung von flexiblen Lasten attraktiver zu machen. Liegt die Spannung unter dem Soll-Band würde die Netznutzungsgebühr steigen. Um das Solidaritätsprinzip aufrechtzuerhalten, gelten an jedem Messpunkt nur immer für 5% des Tages erhöhte und während 5% des Tages tiefere Gebühren. So werden alle gleich behandelt und trotzdem wird netzdienliches Verhalten so gut belohnt, dass sich Investitionen in die Flexibilisierung rechnen.

    Evaluation von Blockchain Plattformen

    In einem jungen Bereich wie der Blockchain Technologie überschlagen sich die Ereignisse und es ist anspruchsvoll, den Überblick über die besten Konzepte und die einsatztauglichsten Implementationen zu behalten. SCS hat die wichtigsten Plattformen, welche ohne energiehungriges Mining auskommen, bezüglich ihres Reifegrades evaluiert. Untersucht wurden neben der für dieses Projekt gewählten Tendermint Technologie die Plattformen Ethereum PoA, Corda, Hyperledger, Cardano, EOS, IOTA, Nano, Energy Web. Resultate können dem Schlussbericht entnommen werden. Für aktuelle Informationen wenden Sie sich an uns!

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      Die Energy Web Foundation setzt sich ein für die Dezentralisierung und Digitalisierung der Energiebranche und betreibt eine Konsortium-Blockchain mit einer eindrücklichen Beteiligung vieler namhafter Konzerne. Mit ihrer Privacy-Technologie für Blockchains SubstraTEE gewinnt die SCS die Innovation Challenge der EWF mit ihrem Vorschlag, SubstraTEE für die EW chain zu portieren, damit datenschutzkonforme Lösungen im Energiebereich dezentral umgesetzt werden können.

      Zur Pressemitteilung

       
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        SCS unterstützt den Verein Encointer bei der Entwicklung einer Blockchain Plattform für Lokalwährungen. Hierfür nutzt SCS ihr eigenes open-source Framework SubstraTEE, welches Datenschutz auf Blockchains auf Basis von Trusted Execution Environments sicherstellt.

        Ziel der Encointer Initiative ist ein globales bedingungsloses Grundeinkommen in einer Kryptowährung, welche von lokalen Gemeinschaften (Dörfer, Städte) selber geschöpft wird. Die Technologie hierfür ist bereits weit gediehen und mithilfe der Unterstützung von SCS konnte das Testnet Cantillon in Betrieb genommen werden. Dieses Testnetz ist das erste öffentliche SubstraTEE-basierte Netzwerk und erlaubt erste Versuche in Richtung digitaler Alternativwährungen.

        Bei diesem Projekt kann SCS auf ihre umfangreiche Erfahrung mit Trusted Execution, mit der modernen Programmiersprache Rust und einem der neusten Blockchain frameworks, substrate, zurückgreifen.

        Interessant ist die Kombination dieser Technologien insbesondere für Anwendungsfälle, bei welchen verschiedene Parteien bei der Verarbeitung personenbezogener Daten zusammenarbeiten möchten und somit in besonderem Masse dem Datenschutz verpflichtet sind durch die DSGVO.

         
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          Zusammen mit unserem Kunden, der Web3 Stiftung in Zug, haben wir einen Blog veröffentlicht über unsere Trusted Off-Chain Computing Plattform SubstraTEE, welche Vertraulichkeit, Skalierbarkeit und Interoperabilität von Blockchain Lösungen verbessert:

          Have a TEE with Polkadot (nur englisch)

          Mehr technische Infos und eine Demo mit privaten Transaktionen von Tokens gibts im Mitschnitt unseres kürzlichen Meetups (englisch):

          Dieses Projekt ist open source und der Code ist erhältlich bei GitHub, Dokumentation unter www.substratee.com

           
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            Wir haben uns an den Umstand gewöhnt, dass wir unseren IT-Administratoren vertrauen müssen. Waren dies früher noch Angestellte im gleichen Betrieb, sind dies heute oft eingekaufte Cloud-Plattformen oder vielleicht bald dezentrale Systeme wie Blockchains.

            Administratoren können sämtliche Daten lesen und verändern, die auf einer von ihnen verwalteten Maschine verarbeitet werden. Leider gilt dies nicht nur für die Administratoren unseres Vertrauens, sondern auch für Hacker, welche sich Administrator-Privilegien verschaffen können. Vor solchen Angriffen ist kein noch so qualifizierter Betrieb gefeit.

            Trusted Execution Environments (TEEs) schaffen hier Abhilfe. Ein TEE ist vereinfacht als Prozessor-im-Prozessor zu verstehen, welcher eigene Schlüssel verwalten kann und nur Programme ausführt, deren Fingerabdruck unverändert dem Original entspricht. Die Garantie hierfür übernimmt der Hersteller des Prozessors, welcher in Hardware sicherstellt, dass niemand Zugriff auf die internen Schlüssel des TEE erhält und auch nicht dessen Arbeitsspeicher auslesen kann. Jedes TEE ist für den Hersteller eindeutig authentifizierbar, wodurch jeder Benutzer sicherstellen kann, dass sein Programm wirklich auf einem TEE läuft – auch wenn sich die Maschine physisch in einem entfernten Datencenter befindet.

            Einer von vielen Anwendungsfällen für TEEs ist e-Ticketing mit Schutz der Privatsphäre: Heute existieren verschiedene «check-in» Apps, bei welchen Betreiber das Bewegungsprofil der Passagiere auswerten, um ein angemessenes Ticket zu verrechnen. Dank TEEs könnte ein solcher Dienst angeboten werden, nachweislich ohne das Bewegungsprofil der Passagiere für irgendjemanden ausser dem Passagier sichtbar zu machen. Die App der Reisenden würde das Bewegungsprofil in verschlüsselter Form an das TEE schicken. Dort würde der Ticketpreis innerhalb der geschützten Enklave errechnet und dem Zahlungsprozess übergeben. Um das Vertrauen der Passagiere zu gewinnen sollte der Betreiber den Code, welcher im TEE ausgeführt wird, für externe oder sogar öffentliche Auditierung offenlegen.

            Supercomputing Systems hat kürzlich ein Trusted Execution Projekt  für Datenschutz auf Blockchains erfolgreich abgeschlossen: substraTEE

             
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              SCS gewann eine Auftragsvergabe der web3 foundation in Zug, um den Datenschutz auf  Parity Substrate-basierten blockchains zu verbessern (z.B.  Polkadot). SCS wird zu diesem Zweck Trusted Execution Environments einsetzen, namentlich Intel SGX.  So werden dezentrale Anwendungen ermöglicht, welche erhöhten Datenschutz erfordern.

              Das heisst, wir werden künftig private Transaktionen in Kryptowährungen tätigen können, werden ohne Intermediär Blockchain-übergreifend Token handeln und anonym und verifizierbar abstimmen können.

              Das Projekt ist von Beginn weg open source.

              Die SCS ist Entwicklungspartner beim Quartierstrom Projekt in Walenstadt. Dort geht gerade der erste dezentrale P2P Energiemarkt der Schweiz in Betrieb. Im asut Bulletin 5/18 ist unser Artikel erschienen mit Fokus Datenschutz auf der Blockchain.

              SCS unterstützt im Quartierstrom Konsortium die Entwicklung der dezentralen Blockchain Lösung, dem „Blockchain-Enabled-Smart-Meter“, beim Implementieren eines dynamischen Netztarifs und beim Gewährleisten des Datenschutzes. All dies sind Kernthemen des Departements für Decentralized Systems.

               

              Alain Brenzikofer ist Projektleiter beim Schweizer IT-Enwicklungsdienstleister SCS. Schon seit 2011 verfolgt er die Entwicklungen in der Blockchain-Technologie. Diese setzt er auch für SCS ein, entwickelte etwa «Decentralized Applications» und verfasste ein Whitepaper zum Thema «Decentralized Trusted Timestamping». Brenzikofer verfügt über ein Studium in Informationstechnologie und Elektrotechnik der ETH Zürich.

              Der folgende Artikel erschien am 26.1.2018 bei influence.ch:

              Alain Brenzikofer ist Projektleiter beim Schweizer IT-Enwicklungsdienstleister SCS. Schon seit 2011 verfolgt er die Entwicklungen in der Blockchain-Technologie. Diese setzt er auch für SCS ein, entwickelte etwa «Decentralized Applications» und verfasste ein Whitepaper zum Thema «Decentralized Trusted Timestamping». Brenzikofer verfügt über ein Studium in Informationstechnologie und Elektrotechnik der ETH Zürich.

              Mit dem Bitcoin-Hype rückte auch der Energieverbrauch dieser Krypto-Währung in den Fokus. Können Sie uns erklären, warum bei höherem Bitcoin-Kurs weltweit auch mehr Energie verbraucht wird?
              Alain Brenzikofer: Bitcoins entstehen nicht einfach so, sie werden geschürft. Das Wort ist bewusst aus der Bergbau-Sprache entlehnt. Wer nämlich Bitcoins finden will, muss beweisen, dass er dafür Energie einsetzt. Dazu muss er mit Hilfe von speziellen Computern kryptografische sehr komplizierte Rätsel lösen. Weltweit schürfen alle gleichzeitig. Je mehr Rechner beteiligt sind, desto komplizierter gestaltet der Bitcoin-Algorithmus die Rätsel und desto mehr Rechenpower muss aufgewendet werden.

              Wie muss man sich das vorstellen?
              Der Algorithmus sorgt dafür, dass weltweit etwa alle 10 Minuten ein Miner das Rätsel lösen kann. Am Anfang lag der Mining-Reward, also der Wert, den man für eine gelöste Aufgabe erhält, bei 50 Bitcoins. Dann waren es nur noch 25. Dieser Reward wird über die Zeit immer kleiner. Heute liegt er bei 12.5.

              Dann steigt also der Energieverbrauch, um an Bitcoins zu kommen, je länger, je mehr?
              Nur bei steigender Nachfrage. Je mehr Miner bei diesem Spiel mitmachen, desto höher ist der Energieverbrauch.

              Warum?
              Im ganzen Netzwerk wird nach Bitcoins geschürft, bis es sich finanziell nicht mehr lohnt. Die Rechnung des Miners ist einfach: Er setzt Hardware ein und muss Strom kaufen. Je höher der Wechselkurs des Bitcoins steigt, desto höher darf die Stromrechnung sein um profitabel zu bleiben.

              Kurs und Stromverbrauch sind gekoppelt?

              Ja und zwar in zweierlei Hinsicht: Einerseits, weil der Gegenwert des Mining Rewards steigt. Andererseits werden mit der Anzahl der Teilnehmer im Bitcoin-Netzwerk auch die Transaktionsgebühren höher, die dem Miner zu Gute kommen.

              Je mehr Leute sich am Bitcoin-Hype beteiligen, desto grösser werden somit die Entschädigungen für die Miner?
              Es ist ein Wettbewerb, in dem derjenige gewinnt, der den billigsten Strom hat und die effizienteste Hardware. Die Computer, die man zum Bitcoin-Schürfen benötigt, werden heute speziell dazu hergestellt. Diese Hardware muss man in regelmässigen Zyklen ersetzen, weil immer effizientere Geräte herauskommen. Das heisst, sie können die kryptographischen Aufgaben mit immer weniger Strom lösen. Der Miner muss darum seine Hardware innerhalb von 12 bis maximal 24 Monaten amortisieren und neue kaufen. Sonst wird er abgehängt. Der Profit des Miners ist das, was nach Stromkosten und Abschreibungen übrigbleibt. Wenn also der Wechselkurs des Bitcoins nach oben schiesst, wird es viel lukrativer, Hardware zu kaufen. Die Herstellung dieser neuen Hardware ist ebenfalls Energie- und Ressourcenintensiv.

              Kurz vor dem Kurssturz war der Gesamtverbrauch des ganzen Bitcoin-Netzwerks so gross wie derjenige von ganz Neuseeland. Ende 2017 etwa so gross wie ganz Island oder Dänemark. Glauben sie diesen Zahlen?

              Alle diese Zahlen sind Schätzungen. Man hat keine verlässlichen Statistiken. Die Miner legen ihren Stromverbrauch nicht offen. Man weiss aber, wie hoch die Strompreise in den verschiedenen Ländern der Welt sind. Man weiss ungefähr, welche Hardware im Einsatz ist. Und darum sind die Zahlen aus meiner Sicht plausibel. Viel wichtiger als präzise Zahlen sind aber der Trend und die Grössenordnung: Sollte der Bitcoin wieder massiv an Wert zulegen, dann ist der Energieverbrauch nach oben offen. Dieser könnte ungebremst steigen.

              Der Energieverbrauch wird also nicht sinken, weil Mining Hardware effizienter wird?
              Das ist zugleich das Geniale und das Problematische an diesem Algorithmus, der das Bitcoin-Netzwerk steuert. Darin ist verankert, dass die Anforderungen an die Miner steigen, je grösser das Netzwerk wird. Wenn die ganze Welt effizientere Hardware kauft, ist damit im Sinne des Energieverbrauchs gar nichts gewonnen.

              Der Algorithmus steuert dagegen, wenn die Rechner die Rätsel schneller und energieeffizienter lösen können. Beschützt er sozusagen den Wert des geschürften Bitcoins?
              Er beschützt die Geldmengensteuerung und das kontrollierte Wachstum der Blockchain. Das Geniale daran ist, dass der Algorithmus nicht im Voraus wissen muss, wann in der Zukunft wieviel Rechenpower vorhanden ist. Das Bitcoin-Netzwerk funktioniert, egal wie effizient die Miner-Hardware ist. Auf der anderen Seite verursacht das einen enormen Energieverbrauch.

              Der Algorithmus beim Bitcoin ist somit für alle Ewigkeit so angelegt, dass er den hohen Verbrauch von Energie honoriert?
              Falls der Wechselkurs der Bitcoins gleich bleiben würde und gleichzeitig auch die Zahl der Transaktionen konstant, dann würde mit der Zeit der Energieverbrauch sinken. Wenn aber immer mehr Leute Transaktionen auf der Bitcoin-Blockchain machen, dann wird tatsächlich immer mehr Energie verbraucht.

              Ganz eifrige Verfechter des Bitcoins sagen zum Energieverbrauch, dass der Bitcoin-Hype die Verwendung von erneuerbaren Energien fördere. Sehen Sie das auch so?
              Diese Argumentation halte ich für verfehlt. Wind- und Sonnenenergie sind keine Bandlast-Generatoren. Vielmehr schwankt deren Produktion sehr stark. Wenn ein Miner seine Hardware innerhalb einer Jahresfrist amortisieren will, muss er sie an sieben Tagen 24 Stunden laufen lassen. Dazu nimmt er den billigsten verfügbaren Strom. Wenn er am Tag Solarstrom erhält, nimmt er den. In der Nacht wird es aber keinen solchen geben, die Hardware muss aber trotzdem laufen. Und weltweit ist der Kohlestrom immer noch am billigsten.

              Kann man identifizieren, wo weltweit am meisten dieser Bitcoin-Miner stehen? Und wo diejenigen stehen, mit der grössten Leistung?

              Die Mehrheit der Bitcoin-Leistung steht heute in China. Es sind mehr als 50 Prozent aller Rechenleistung weltweit. Eigentlich widerspricht das der dezentralen Ideologie von Bitcoins. Und dann noch in einem Land, das nicht sehr freiheitlich mit den Möglichkeiten des Internets umgeht – das ist bedenklich. Das unterläuft die Daseinsberechtigung der Blockchain.

              Sie beschäftigen sich seit 2011 mit Fragen rund um Krypto-Währungen. Ist der Energieverbrauch bei allen ein solches Problem?
              Nur bei «Proof-of-Work» Währungen. Bereits 2012 wurde z.B. Peercoin gestartet, eine sogenannte «Proof-of-Stake» Währung. Anders als beim Bitcoin muss ich da nicht beweisen, dass ich Arbeit geleistet habe. Bei Peercoin dürfen diejenigen, die am meisten dieser Coins halten, auch am meisten schürfen. Die Idee dahinter: Wer viel Kapital besitzt, hat ein immenses Interesse daran, dass das Vertrauen in das Netzwerk erhalten bleibt. Denn wenn ein Grosser beim Minen gegen die Regeln verstösst, geht Vertrauen verloren. Und damit würde auch sein Kapital wertlos. Heute gibt es weitere Lösungen, die ohne «Proof-of-Work» auskommen. Ohne Mining brauchen diese Währungen kaum mehr Energie als das heutige E-Banking.

              Es kommen immer mehr Krypto-Währungen auf den Markt: Steigt der Energieverbrauch somit auch immer mehr an?
              Es kommt nicht darauf an, wieviele neue Krypto-Währungen es gibt. Sondern es kommt darauf an, wie gross die Marktkapitalisierung derjenigen Krypto-Währungen ist, die den Einsatz von Energie honorieren. Je höher diese ist, desto höher ist der Anreiz Mining mit ungeheurem Energieaufwand zu betreiben. Bei den anderen Währungen, die nach einer anderen Logik funktionieren, ist der Energieverbrauch kein Thema.

              Mit dem Bitcoin wird Blockchain als neue dezentrale Sicherheitstechnologie plötzlich heiss diskutiert. Wie muss ich mir die Organisation einer solchen Blockchain vorstellen?
              Beim heutigen E-Banking geschehen alle Transaktionen in einem Data-Center unter der Kontrolle der Bank. Bei der Blockchain erfüllen Tausende von Computern, die auch in einzelnen Haushalten stehen können, diese Arbeit. Wenn Informationen gleichzeitig auf mehreren Rechnern dezentral abgesichert werden, so steigt die Sicherheit im ganzen System.

              Braucht es dafür mehr Energie als wenn man heute E-Banking nutzt?
              Grundsätzlich wird eine zentrale Systemlösung meist energieeffizienter sein, als eine dezentrale. Die Blockchain hat jedoch den Vorteil, dass sie Konsens in einem verteilten System ohne zentrale Einflussnahme herstellen kann – und das ist ein wichtiges sicherheitstechnisches Argument. Wo dieser Vorteil wichtig ist, wird er wohl andere Argumente wie den Energieverbrauch überstimmen.

              Nicht nur die Blockchain benötigt dezentrale Computerinfrastruktur, wir lagern auch immer mehr in die Cloud aus. Wird auch das den Energieverbrauch ankurbeln?
              Es gibt Studien zum Thema, ob Cloudcomputing energieeffizienter ist oder nicht. Diese kommen zum Schluss, dass Cloudcomputing effizienter sei, was die Energie angeht. Dies, weil die Hardware besser ausgelastet werde. In einem Datacenter läuft nur exakt so viel Hardware, wie wirklich benötigt wird. Bei wenig Nachfrage werden ganze Serversektoren abgeschaltet. Und nur bei Bedarf wieder zugeschaltet. Darum erscheint es durchaus plausibel, dass Cloudcomputing effizienter sein kann. Cloudcomputing nimmt aber oft mehr Netzwerkinfrastruktur in Anspruch, ein Argument für steigenden Stromverbrauch. Die Wahl der Systemgrenzen dürfte – wie so oft – entscheidend sein.

              Gespräch: Matthias Halbeis